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Planspiel: Bürgerrat für die Rechte des Lechs

3.-4. Juli 2026, Volkshochschule Füssen

Wie geht es der Natur, wenn ihr geschadet wird? Wer ergreift für sie das Wort? 
Seit einiger Zeit gibt es Gedanken, auch nicht-menschlichen Akteuren eigene Rechte zuzuerkennen und ihnen so die Möglichkeit zu geben, ihre eigenen Interessen zu vertreten. So zum Beispiel den Flüssen als wichtigen Lebensräumen und Lebensadern des Planeten. Möglich wurde dies erstmalig 2017 in Neuseeland, als der Whanganui-Fluss als Rechtssubjekt anerkannt wurde. Fast zeitgleich erklärte auch in Indien ein Gericht den Fluss Ganges zu einer Rechtsperson – und fünf Jahre später wurde dem Ökosystem der Lagune Mar Menor durch ein Gesetz Rechtspersönlichkeit verliehen.

Inwiefern kann ein Fluss als Rechtsperson dazu beitragen, dass sich die Beziehung von Mensch und Natur verändert? Der Schriftsteller Aldo Leopold forderte uns auf zu „denken wie ein Berg“ – Wie aber denkt ein Fluss? bzw. was würde sich verändern, wenn wir ihn nicht nur als Ressource, sondern als lebendigen Teil unserer Mitwelt betrachten?

Diese Frage stellen sich auch Menschen in unserer Region. Seit 2021 läuft das Volksbegehren Rechte der Natur in Bayern (gerne unterzeichnen!).  Im Garmischer Land setzt sich Filmemacher, Radiojournalist und Autor Claus Biegert zusammen mit dieser Initiative und dem Netzwerk “Rechte der Natur” dafür ein, dass auch die Loisach als Rechtsperson anerkannt wird. 

Nun wird das Thema auch am Lech aufgegriffen. Tanja Seider, Professorin für soziale Arbeit, und die Künstlerin und Bildhauerin Julia Hiemer laden an der Volkshochschule Füssen am 3. und 4. Juli 2026 zu einem Planspiel - Bürgerrat „Rechte für den Lech?“ ein. Tanja Seider, selber engagierte Naturschützerin, möchte mit diesem Format ganz praktisch zeigen, wie Bürgerräte als innovative Beteiligungsverfahren - gerade auch bei schwierigen gesellschaftlichen und politischen Fragen - die Demokratie sinnvoll erweitern können. 


Unter Einbeziehung von vielfältigem lokalen Bürgerwissen wird diskutiert wie (Stadt-)Gesellschaft gemeinsam gestaltet werden kann, wenn auch Flüsse, Wälder oder Ökosysteme bewusst in gesellschaftliche Entscheidungen einbezogen werden und eine Stimme im "Parlament der Dinge” bekommen. Bei diesem Ansatz des französischen Philosophen Bruno Latour geht es darum, die komplexen Wechselwirkungen zwischen allen Beteiligten anzuerkennen und so eine neue Form der Empathie mit den Lebewesen auf dieser Welt zu ermöglichen.

Der Bürgerrat findet in zwei Einheiten in der Volkshochschule Füssen statt, in direkter Nähe zum Lech (am Freitag, 3. Juli 17.30-19 Uhr und Samstag, 4. Juli, 9 -14 Uhr). 
Phasen des Wissensinputs mit Diskussionen wechseln sich ab mit kreativ-künstlerischer Arbeit. Abschließend wird der Bürgerrat gemeinsam eine Empfehlung über unser Zusammenleben mit dem Lech sowie über dessen mögliche Rechte formulieren.

Kontakt:  
Prof. Tanja Seider, Julia Hiemer
Zur Anmeldung


 

Sprechen & Zuhören am Lech

Im Vorfeld zum Planspiel “Bürgerrat für den Lech” laden Helmut Scheel und Ina Schicker am Sonntag, 28. Juni 2026 um 9 Uhr ein zu “Sprechen & Zuhören” in freier Natur.

An den Ufern des Lechs treffen wir uns zu einem besonderen Dialogformat, das entwickelt wurde, um demokratischer Meinungsvielfalt Raum zu geben. Wir laden ein, eine zukunftstaugliche Form des Miteinanders praktisch zu erleben: respektvoll, verbindend und auf Augenhöhe.

Im Mittelpunkt steht die Frage: „Wie geht es Dir mit der wilden Natur des Lechs?“ 

In einem geschützten, moderierten Rahmen sprechen alle Teilnehmenden in Kleingruppen nacheinander aus ihrer persönlichen Perspektive. 
Alle erhalten die gleiche Redezeit, und allen wird aufmerksam zugehört. Unterschiedliche Meinungen sind ausdrücklich willkommen – es geht nicht um Debatten, Überzeugung oder Lösungen, sondern um Verstehen und neue Blickwinkel.

Treffpunkt: Eingang Walderlebniszentrum Ziegelwies (Füssen), Tiroler Str. 10
Anmeldung: info (at) allgaeu-fairnetzt.org